Pfingsten: Wunder im Multipack

Pfingsten: Wunder im Multipack

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Quelle: Evangélikus Élet, Deutsche Anlage, Text: Adél Dávid
Wer in den letzten Mo naten Nachrichten über die sogenannte Migrationswelle gelesen oder gesehen hat, könnte den Eindruck haben, dass die Multikulturalität etwas völlig Neues ist, so empört sind viele Menschen darüber, dass jetzt durch die Flüchtliche aus dem Nahen Osten eine fremde Kultur nach Europa kommt und unsere eigene Kultur dadurch gefährde. Dabei erzählen viele Geschichten der Bibel – auch die Pfingstgeschichte – vom Gegenteil.

In Jerusalem haben laut Apg 2,5 Menschen aus allen Völkern gewohnt – eine genaue Liste der Nationen folgt in den Versen 9-11. Und das Wunder von Pfingsten wäre ohne diese Vielfalt der Sprachen und Nationen gar nicht vorstellbar. Das Fremde macht es möglich, dass wir unsere Grenzen überschreiten. Ohne diese Fremdheit hätten die Jünger keine Möglichkeit gehabt, ein Wunder zu erfahren – nämlich das Wunder, dass Gott sie zu etwas befähigen kann, das sie nie gelernt haben und was sie nicht mal angestrebt hatten: sich mit Fremden in ihrer Muttersprache zu verständigen. Wer in der Minderheitssituation in einem Land lebt, kann sicherlich gut nachfühlen, was es für die Seele bedeutet. Beim Pfingstwunder geht es aber nicht einfach darum, dass einige ungebildeten Menschen plötzlich fließend eine Fremsprache konnten. Das wäre zwar wundervoll genug, aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Das Wunder hat viele Komponenten: Es ist ein Wunder, wenn Menschen, die sich sonst immer in ihren eigenen engen Kreisen bewegen, plötzlich den Mut haben, öffentlich für ihre Überzeugung einzutreten. Auch wenn die Öffentlichkeit diese Meinung nicht besonders freundlich aufnimmt und als lauter Blödsinn bezeichnet: „Sie sind voll von süßem Wein.” Es ist sogar ein Wunder, dass sie formulieren können, was ihre Überzeugung ist. Eine ausgeprägte Meinung zu haben, etwas, wofür es sich lohnt, unbeliebt zu werden und Spott in Kauf zu nehmen, ist schon an sich wertvoll und gar nicht selbstverständlich. Die Jünger waren vor kurzem noch völlig ratlos und in sich und ihre eigene Trauer versunken. Das, was wir mit großer Selbstverständlichkeit das Fest der Auferstehung nennen, war für sie erstmal ein Fiasko und der Verlust eines geliebten Menschen. Es ist ein Wunder, dass die Jünger nicht nur einen klaren Standpunkt und Profil hatten, sondern darüber auch für alle verständlich sprechen konnten. Sogar so, dass jemand aus einer anderen Kultur sie verstanden hat. Grenzüberschreitende Kommunikation ist ein Wunder. Es muss nicht gleich jemand aus einem anderen Land sein. Wir haben genug kulturelle Unterschiede innerhalb einer Nation und eines Landes. So zu sprechen, dass ein Jugendlicher einen Senioren versteht, ein Mann eine Frau versteht, ein Stadtbewohner einen Dorfbewohner versteht – und alles auch umgekehrt – ist schon schwer genug. Ein eigener Standpunkt sowie Mut und Bereitschaft, darüber klar zu reden, sind auch heute sehr wichtig für die Kirche. Wenn der Standpunkt fehlt, dann ist die Kirche früher oder später ein Haus ohne Funktion. Es steht noch, aber niemand weiß genau, wozu. Dass Wände und Dach bald kaputt gehen, ist vorprogrammiert. Nur diejenige bleiben drin wohnen, die keine andere Möglichkeit mehr haben oder denen nichts Besseres einfällt. Wenn die Bereitschaft zur Kommunikation fehlt, wird die Kirche nur so lange bestehen, wie es noch die alten Mitglieder gibt, die sich ohne Worte verstehen. Neue können nicht dazukommen, weil sie nicht wissen, worum es hier geht. Und ohne Mut? Eine Gruppe, wo Angst den Grundton angibt, hat keine Anziehungskraft: Mutlosigkeit schreckt ab. Die Kirche braucht also das Pfingstwunder, wenn sie weiter leben und wachsen will. Sie braucht Menschen, die Profil haben, die bereit sind, über den eigenen Glauben zu sprechen und nicht so leicht einzuschüchtern sind. Das ist gar nicht so leicht. Wenn das alles zusammenkommt, ist das schon ein Wunder, eben ein Pfingstwunder und ein wertvolles Geschenk vom Heiligen Geist.

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