Gottesnähe – Gottesferne

Gottesnähe – Gottesferne

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Quelle: Evangélikus Élet / Deutsche Anlage / Redakteurin: Pfarrerin Eszter Heinrichs, Text: Pfr. Dr. Jiri Dvoracek, Thalwil, Schweiz
Im Buch Jeremia stellt Gott eine rhetorische Frage über sich selbst: Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? (Jer 23,23) In dieser Frage spiegelt sich nicht nur etwas Wichtiges vom Wesen Gottes wider, nämlich Nähe und Ferne, sondern auch etwas von dem, wie wir Menschen ihn erfahren und wahrnehmen. Denn manchmal erfahren wir Gott als den Nächsten, der bei uns ist bis an der Welt Ende, der uns begleitet, unterstützt, schützt und trägt. Ein anderes Mal erfahren wir ihn gar nicht: wir spüren nichts von seiner Gegenwart, Liebe, Wärme und Nähe, sondern fühlen uns verlassen, leer und ausgeliefert. Wir fragen uns dann, warum er schweigt und fangen natürlich an zu fragen, ob es ihn wohl überhaupt gibt.

Unser Gott ist nicht nur ein Gott der Nähe, sondern auch ein Gott der Ferne. Und diese Gegensätzlichkeit, die uns als Widerspruch in sich selbst vorkommen muss, gehört nicht nur zu unserem Gottesbild und unserer Gotteserfahrung, sondern auch zum höchsten christlichen Feiertag: Ostern. Am Karfreitag erinnern wir an den Tod Jesu, an sein Leiden und Sterben am Kreuz. Der Sohn Gottes, der Gott als seinen Vater anredete und seinen Willen verkündete, hängt am Kreuz, verlassen von allen, und mit seinem letzten Atemzug fragt er mit den Worten des 22. Psalms „Eli, Eli, lema sabachtani?” das heisst: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ (Mt. 27,46). In diesem Moment und in diesem Geschehen kommen Gottes Nähe und Ferne gleichzeitig zum Ausdruck. In der Verlassenheit Jesu, in der quälenden Frage, die erst mit der Auferstehung beantwortet wird, ist paradoxerweise Gott uns am nächsten und Jesu am fernsten. In dieser Verlassenheit erfährt Jesus – stellvertretend für uns alle – die tiefste Ferne Gottes. Und wir, mitten in dieser Verlassenheit, können die grösste Nähe Gottes erfahren. Nähe in der Verlassenheit. – Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Gottes Nähe und Gottes Ferne gehören zusammen. Beides kann gleichzeitig wahr sein – Gott kann uns ganz nahe, aber auch ganz fern sein! Aber die Entscheidung darüber liegt nicht in unserer Hand. In Johannes 4,8 heisst es zwar „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen!“ aber dies geschieht nicht automatisch.

Gott ist unverfügbar. Wir können ihn nicht zwingen, sich uns zu nähern – in dem wir z.B. brav christlich leben (was auch immer wir darunter verstehen), aber wir können ihn auch nicht zwingen, sich von uns fern zu halten – indem wir seinen Willen missachten. Er ist der, der entscheidet. Und so hat er auch die Möglichkeit, uns fern zu sein, sich von uns zu entfernen, oder sich uns zu nähern. Ich denke, es hat viel zu lange unser Denken bestimmt, zu glauben, uns Gott zu nähern oder ihm fernzubleiben sei unsere Entscheidung; viel zu oft haben wir nicht bedacht, dass Gott frei ist in seiner Entscheidung, uns nahe zu kommen oder der ferne Gott zu sein. Wir verfügen nicht über Gott, sondern er verfügt über uns. Das ist die harte Wirklichkeit. Aber es ist eine Wirklichkeit, die uns nicht bedrücken muss, sondern befreien kann. Denn eben nur weil wir über Gott nicht verfügen können, kann er uns nahe oder fern sein, oder nach dem Osterngeschehen formuliert: er kann uns auch in unserer Verlassenheit ganz nah sein. Auch dann, wenn er uns fern bleibt, hört er nicht auf, Gott zu sein. Denn zum Glauben, zur Beziehung mit Gott gehört, wie zu jeder anderer Beziehung, beides: Nähe und Ferne. Nähe und Ferne, die mal bedrücken und mal befreien.

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